Gabi Neumeyer (
Wortakrobat Willy Astor liefert im Rahmen der Reihe „Kultur am OAG“ gekonnte Wort- und Tonakrobatik
Ein absoluter Höhepunkt der Reihe „Kultur am OAG“ und schon Wochen vorher ausverkauft war am Donnerstagabend das Gastspiel des preisgekrönten Kabarettisten Willy Astor. Mit seinem Programm „Tonjuwelen“, mit seinem jungenhaften Charme, seiner Schlagfertigkeit und seinem intelligenten Wortwitz begeisterte der Sprachjongleur das Publikum in der Aula des Ostalbgymnasiums vom ersten Satz an.
Bopfingen. „Zum Mitnehmen schön“, lobte Astor das von Schülern der Kursstufe gestaltete Bühnenbild. Aber dann war es erstmal vorbei mit den Nettigkeiten. Ein skeptischer Blick über die Reihen und die trockene Feststellung „Modemäßig habt ihr aber noch Luft nach oben“, läutete ein herrliches Geplänkel zwischen Künstler und Besuchern ein.
Astor nahm OAG-Konrektor Gerhard Ott wegen dessen 30 Sätze langer Begrüßung aufs Korn, einige Zuspätkommer – „Was ist los, die anderen haben es ja auch pünktlich geschafft“ – und den elfjährigen Alexander aus dem Steinbrüchle – „Adresse merken, hier steigt die After Show-Party“. Vor allem die „Pflaumlocher“ mussten sich einiges anhören. Astors Frage, „Wie heißt du und woher kommst du“ an Susanne aus Pflaumloch in der ersten Reihe, sorgte für den „Running Gag“ des Abends.
Mal nicht in einer „miefigen Stadthalle“ sondern in einer Schule zu spielen, machte Willy Astor sichtlich Spaß, weckte jedoch auch Erinnerungen an seine eigene „wenig ruhmreiche“ Schulzeit, führte zu einigen Seitenhieben auf den anwesenden „Leerkörper“ und zu der quälenden Frage, „Was ist der Plural von Aula? Aulas, Aulen, Aulä?“ Astor blödelte fröhlich herum und brachte spielend die „Aula der Aulen“ zum Kochen. Als großartiger Gitarrist erwies er sich in seinen Liedern, deren sinnfreie, originelle Texte sich lautmalerisch haarscharf am Originaltext orientieren und fast schon reflexartig auf die Lachmuskeln der Besucher wirkten.
Jede Zeile ein Lacher, jeder Vers ein Brüller und die Erkenntnis, viele Welthits wurden Astor unverschämterweise einfach geklaut – beispielsweise Hits wie „An Ski“ (Angie), oder „Grilling me softly beim ping pong „ (Killing me softly with his song). „Das war zu einer Zeit, als es noch Kassetten gab und die Telefone noch Schwänze hatten“, schwelgte er in Nostalgie. Höchst amüsiert genossen die Bopfinger auch die intelligent gestrickten Geschichten des „Wortakrobaten aus Literaten“ „Ich mag’s frisch!“, Filmklassikern oder Automarken und -teilen, wie im Märchen „Radkäppchen und der böse Golf“. Als besonderen Gruß hatte der Oberbayer ein „Ständle fürs Ländle“ im Gepäck, nicht ohne bei der Gelegenheit auf sprachliche Ungereimtheiten dieses Dialektes einzugehen. „Wart amol g’schwend, heißt übersetzt: „Bleib stehen und beeil dich dabei.“ Das solle ihm erst mal einer vormachen, meinte er.
Zuletzt gab’s noch gute Beziehungsratschläge „Happy wife, happy life“, ein wenig Werbung in eigener Sache „Kaufen sie Humor direkt vom Erzeuger“ und das Versprechen nach einem umjubelten Auftritt: „Ich komme wieder mal nach Bopfingen.“